ORTE DER KINDHEIT

Friedrich von Thun

DOKUMENTATION / A 2017 / XDCAM HD / 30 MIN
Ein Film von Ute Gebhardt
 
Er hatte eine schöne Kindheit – sagt er. Das ist erstaunlich, denn seine frühen Lebensjahre sind von Lagerhaft, Vertreibung, Heimatlosigkeit geprägt. Wie er es als Flüchtlingskind schaffte, dennoch ein so positiver Mensch zu werden, soll im Film erzählt werden. Der Schauspieler Friedrich von Thun wurde am 30. Juni 1942 geboren, als jüngster der vier Söhne des Grafen Ernst von Thun und Hohenstein. (Ein altes Adelsgeschlecht aus Südtirol, das zum Reichsgrafenstand gehörte, den Habsburgern verbunden war und in mehreren Linien in Mähren ansässig war.) Friedrich von Thun hat an sein ursprüngliches Zuhause – das Schloss in der mährischen Gemeinde Kwasice – kaum Erinnerungen. Da ist lediglich das Bild des Vaters, der gern zu Pferd auf dem Gut unterwegs war. Zum Gut gehörten Land-und Forstwirtschaft und ein Sägewerk.1945 endete die behütete und begüterte Kindheit der Grafensöhne schlagartig. Die ganze Familie wurde interniert. In einem ehemaligen KZ lebten sie für anderthalb Jahre zusammen in einem Raum. Mutter und Vater wurden zur Zwangsarbeit in die ehemals eigenen Wälder und das Sägewerk geschickt. Die Kinder weinten oft vor Hunger, doch daran erinnert sich Friedrich von Thun nicht. Er weiß nur noch, dass sein kleines Holz-Rad auf dem Schotter zwischen den Baracken nicht recht fahren wollte. Im Herbst 1946 kam die Familie frei und floh völlig mittellos nach Österreich. Weil der Vater fürchtete, sie könnten aufgehalten werden, befahl er den Kindern für diesen Fall: Lauft, bis ihr bei den rot-weiß-roten Fahnen seid. Es folgten zwei Jahre, in denen sie als Vertriebene an verschiedenen Orten in Niederösterreich einquartiert wurden. Die kleine Schwester wurde geboren. Erst im steirischen Städtchen Leoben fanden sie ein richtiges Zuhause und die eigentliche Kindheit Friedrich von Thuns begann. Als lebhafter, neugieriger Bub – stets im Schlepptau des älteren Bruders-liebte er die Streifzüge an der Mur. Schatzsuche war sein Lieblingsspiel. In Leoben durfte er zum ersten Mal ins Theater und war fasziniert. 1952 schickten ihn die Eltern ins Internat. Er sollte im Abteigymnasium Seckau maturieren. Die klösterliche Strenge und Abgeschiedenheit verlieh den künstlerischen Impulsen, die er damals empfing, eine besondere Kraft. Das Schultheater, die heimlichen Jazz-Sessions, die moderne Malerei in der Kapelle: All das fiel auf fruchtbaren Boden und bereite seinen Weg als Künstler vor. Unsere Stationen im Film werden Kwasice, Leoben und Seckau sein.